Strecke




allgemeine Daten

  • Am Samstag, den 09. Juni 2012 haben wir uns um 9:00 Uhr in Regnitzlosau an der Kirche bei Hof (Bayern)getroffen. Mit Liedern, dem Segen und der Überreichung eines Pilgerbrotes ist unsere Wanderung feierlich eingeleitet worden. Verabschiedet haben uns die Kinder aus dem Kinder- und Jugendheim in Ranis. Da ist so manche träne geflossen. Es war ein bewegendes und ermutigender Anfang.
  • Am Samstag, den 08. September 2012 sind wir in Priwall bei Travemünde (Holstein)angekommen. Den Nachmittag und den Abend haben wir mit Tanzen, Singen und Musizieren am Strand verbracht.
  • 1.400 km in 13 Wochen sind an Strecke zurückgelegt worden.
  • Die Tagesetappen lagen zwischen 17 und 23 km, das Wochenziel betrug ca. 130 km.
  • Auf der Gesamtstrecke waren 13 Ruhetage eingeplant. Das Organisationsteam hatte mesit nicht so viel davon. Den gerade an diesen Tagen war Zeit sich den Anmeldungen und anderen Organisationaaufgaben zuzuwenden. Zudem gab es drei Einführungsseminare in die Gewaltfreie Kommunikation.
  • Jede Woche war einem bestimmten GfK-Thema gewidmet. Gerade die die Wochen, mit großer Gruppenstärke ermöglichten einen intensiven Austausch miteinander.
  • Wer nicht das Glück hatte, an einem Einführungsseminar teilzunehmen kann dies noch nachholen und findet:

weitere Seminartermine unter: http://www.ab-ins-kloster.de

Grenzverlauf




Ein Reisebericht von Thomas und Joachim

Sinn und Zweck

Wege können verbinden, aber als Linien können sie auch trennen und ein System des Schreckens bilden. Grasüberwachsen, aber deutlich wieder erkennbar sind die alten Betonwege, auf denen die Grenzsoldaten nach Flüchtigen suchten. Dahinter noch die erkennbaren Sperrgräben und die Lupinenwiesen mit schnell wachsenden Birken, die einst Minen trugen mit dem sich anschließenden Wald, wo der Sperrzaun mit der Selbstschussanlage war. Heute ist dieser Streifen eine sanfte Landschaft. Nach 22 Jahren unbeschwert diesen Kolonnenweg der Grenzsoldaten laufend, ist es nicht leicht, sich den damaligen tristen menschenfeindlichen Ort vorzustellen. Die Zeit heilt und befördert das Vergessen, was auch gut ist. Freundliche Fahrradfahrer, Eltern mit Kindern begegnen uns, die Sonntagsausflüge dort unbeschwert machen, wo früher der Tod ganz nah war. Unsere Gruppe will keinen Hass, aber ein Erinnern durch ein freundschaftliches, achtendes Miteinander. Wir: Das sind Bürger aus Ost und West, die gemeinsam diesen ca. 1400 km Grenzweg in einem Staffellauf oder auch vollständig begehen wollen. Wir tauschen uns aus, versuchen unseren jeweiligen Gesprächspartner vorbehaltlos zu verstehen und gehen diesen Weg ohne Bitternis. Die Bewohner entlang der ehemaligen Grenze gewähren uns in Pfarrhäusern oder sogar Privatquartieren ein Unterkommen. Durch unsere Wanderung erinnern wir an ihr Schicksal. Schön klingen das Oberfränkisch und wenige Kilometer nördlich das Vogtländisch; manchmal umarmen uns die Gastgeber, aber immer ist Sympathie und Achtung vorhanden. Viele Mitglieder der ersten Tagesmärsche sind Mitglieder des Vereins Gewaltfreie Kommunikation, was heißt: Den anderen achten und zu Wort kommen lassen und ihm vorbehaltlos zu begegnen. Aber das Leben heute hat auch andere Probleme, Gott sei Dank nicht so grausam wie bis vor 22 Jahren. Wir unterhalten uns über unsere verfestigte Bürokratie, die keinen Freiraum mehr hat und wo die Menschen nur noch funktionieren. Wir sprechen über unser Verhältnis zu Gott und über ferne Länder, die Probleme haben, die unsere weit übertreffen in Schwierigkeit und Komplexität. Aber wir sind Optimisten, wir preisen singend unser Leben und freuen uns miteinander über die Kraft, die unsere Wanderung hervorbringt. Kommt mit uns und wenn es nur ein, zwei Tage sind; sie ist läuternd und gibt Kraft und Zuversicht.

Verlauf:

Nach einer feierlichen Eröffnung dieser großen Pilgerwanderung am 9. Juni in der Kirche von Regnitzlosau in Einstimmung unserer Gruppe mit Pilgerbrot und Wasser ging es nach Prex. Zur Verabschiedung waren auch die Heimkinder gekommen, die Anja Palitzka in Ranis betreut. Schwestern des Franziskaner Ordens aus Hof begleiteten uns bis zum 3-Ländereck, wo Tschechien, Bayern und Sachsen zusammenfallen. In Posseck durften wir das Gemeindehaus zum Mittagessen nutzen, wo Herr Schwab wie auch zuvor ein Bewohner von Prex von der anderen Seite uns das Leben im Sperrgürtel schilderte. Weiter ging es nach Sachsgrün, wo uns die kirchliche Gemeinde mit Kaffee und Kuchen empfing und wir eine gemeinsame Vesper in der Kirche abhielten. Uns wurden sogar private Übernachtungsmöglichkeiten angeboten, die wir in Anbetracht des üblichen Schlafens auf der auf dem Fußboden gelegenen Isomatte gern angenommen haben. Ein Grillfest im Gemeindehof beschloss diesen ersten großen, wir möchten fast sagen Festtag. Am 10. Juni gingen wir über Heinersgrün weiter nach Münchenreuth wieder auf die Bayrische Seite. In Heinersgrün stand auf einer Anhöhe die Klarakapelle, wo wir uns mit Blick auf die bergige Landschaft und den ehemalige Herrensitz der Familie Feilitzsch entspannten. In Münchenreuth schliefen wir im Gemeinderaum. Abends hielten wir immer eine kleine persönliche Besprechung über das Erlebte ab und früh sammelten wir gemeinsam Kraft für den Tag. Am 11. Juni ging es über den 3-Freistaaten-Stein, wo Sachsen, Bayern und Thüringen zusammenstoßen weiter nach Mödlareuth mit dem Deutsch-Deutschen Museum. Dort sind Teile der ehemaligen Grenzanlage zur Mahnung erhalten worden, eine Mauer wurde mitten durch den Ort gezogen. Ein Monument der Verachtung des freien Willens seiner Bürger und eine Schande für diesen Staat, der letztlich daran auch zerbrochen ist. Über den Berg kamen wir nach Gefell. Leider war dies unser beider (vielleicht nur vorläufige) Endstation dieser Wanderung. Die Gruppe richtete sich im dortigen Gemeinderaum ein. Das Abendessen wird von Maria zubereitet und organisiert, während wir mit dem Bus nach Jena zurückgefahren sind.

Joachim Seibt, Thomas Burghardt aus Jena am 11. Juni 2012

Wir danken den Organisatoren Anja, Maria und Harald sowie Barbara

Zuletzt geändert am 03.12.2012 14:43 Uhr